BANGKOK - Skyscraper und Geisterhäuschen

Zum zweiten Mal auf unserer Reise werden wir von einem Flieger in eine andere Welt katapultiert. Damit wollen wir nicht sagen, daß morgens auf dem Bangkoker Flughafen wenig Leute unterwegs oder die Straßen leer seien. Aber irgendwie wird einem hier mehr Freiraum gegönnt, sogar auf den chronisch verstopften Highways. Bei der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt bestätigt sich unsere Vermutung, daß Bangkok kein Radlerparadies ist. Außer uns scheint kaum jemand so bescheuert zu sein, sich auf dem sechsspurigen und mehrstöckigen Highway-Labyrinth mit dem Fahrrad durchkämpfen zu wollen. Auch wir leisten uns nach kurzer Zeit diese netten Atemschutzmarken in modischen Farben, die hier von den motorisierten Zweiradfahrern so gerne getragen werden.
Als Ausgangspunkt für unsere Bangkok-Erkundung wählen wir Banglamphu, den Stadtteil um die bei Thailand-Travellern wohlbekannte Khao-San-Road. Vom Nachtleben in den letzten zwei Monaten nicht gerade verwöhnt, genießen wir das allabendliche bunte Treiben mit den vielen Straßencafes, Kneipen, Musik und interessanten Leuten. Schon bei Tag ist in der Khao-San-Road jeder cm des Gehwegs mit Straßständen zugepflastert, doch am Abend - wenn sie für den Auto-Verkehr gesperrt wird - ist tatsächlich noch eine Steigerung möglich: Die Khao-San-Road wird zu einer Flaniermeile mit unzähligen Verkaufsständen aller Art. Hier bekommt man alles - von gebratenen Käfern und Nudelpfanne über Schmuck und Klamotten bis hin zu Dreadlocks und Presse-, Studenten- sowie sonstigen Ausweisen. Am 05.12. feiert ganz Bangkok den Geburtstag des thailaendischen Königs Bhumipol Adulyadej, Rama IX und wir feiern mit. Überall gibt's Live-Musik auf den mit unzähligen Lichterketten geschmückten Straßen, viele Futterstände und am Abend ein wunderschönes Feuerwerk.
Um Bangkok zu erkunden, bevorzugen wir als Verkehrsmittel die Linienboote auf dem Chao-Phraya-River, da man hiermit - wenigstens für kurze Zeit - dem Straßenverkehr entfliehen kann. In Kombination mit dem futuristischen Skytrain erreichen wir so viele interessante Ecken der Stadt, z.B. auch die City mit ihren Skyscrapern, zwischen denen man sich als Stuttgarter irgendwie wie vom Dörfle fühlt. Was uns besonders gefällt an diesen gigantischen Hochhäusern ist, daß auch hier die Geister nicht vergessen werden. Vor jedem Skyscraper steht ein besonders großes Geisterhäuschen, in dem täglich Gaben wie Essen und Trinken (die Geister scheinen besonders quietschrote Limonade zu mögen), Blumen und Räucherstäbchen dargereicht werden.
Unsere nächste Erkundungstour führt uns nach Chinatown, das ganz unseren Vorstellungen entspricht: überall chinesische Schriftzeichen, rote Lampions, Läden und Straßenstände mit chinesischen Leckereien und vieles in den Farben Rot mit Gold gehalten. In einem eher bieder wirkenden Kaufhaus finden wir - statt dem ersehnten ruhigen Pausenplätzchen - einen höllenlauten Insidertreff, wo sich Chinesen jeden Alters zum lautstarken Plausch einfinden und auch wir herzlich aufgenommen werden. Da wir uns eh gerade auf "Asientour" befinden, besuchen wir gleich noch Little India. Wir bummeln durch die riesigen überdachten Märkte und schauen uns (zur Abwechslung mal in Ruhe) indische Kleider und Kunsthandwerk an. Außerhalb der Markthallen treffen wir auf einen selbsternannten indischen Yogi-Man mit Turban, der uns mit billigen Zaubertricks beeindrucken und so unsere Kohle abknöpfen will. Als er erfährt, daß wir gerade aus Indien kommen und nicht gewillt sind, grundlos unser Geld loszuwerden, zieht er enttäuscht weiter und sucht sich seine nächsten Langnasen-Opfer.
Nach unserem Ausflug nach China und Indien kehren wir nach Thailand zurück und besichtigen den Wat Phra Kaew (den Tempel des Smaragd-Buddhas) und den Grand Palace. Viele Stunden verbringen wir auf dem Tempelgelände und sind fasziniert von der Schönheit der vergoldeten Tempelgebäude mit Glas- und Emaille-Einlegearbeiten, den riesigen, reich verzierten Wächterfiguren, den goldenen Chedis (kegelförmige Tempeltürme) und den farbenfrohen Wandmalereien. Im Nationalmuseum, dessen Ausstellungen auf mehrere traditionelle Thai-Gebäude verteilt sind, verschaffen wir uns einen Überblick über die Geschichte Thailands. Einen Überblick über Sehenswürdigkeiten in ganz Thailand erhalten wir in Muang Boran, einem über 80 Hektar großen Park in der Nähe Bangkoks, dessen Form der Thailands entspricht. Auf diesem riesigen Gelände sind über 100 Sehenswürdigkeiten aus ganz Thailand originalgetreu nachgebildet bzw. rekonstruiert, teilweise in etwas verkleinertem Maßstab. Eines der beeindruckendsten Bauwerke in Muang Boran ist der Samphet Prasat Palace aus Ayutthaya, der alten Königsstadt. In Ayutthaya selbst sind heute nur noch die Ruinen des bis auf die Grundmauern zerstörten Palastes zu sehen, hier in Muang Boran wurde der Samphet Prasat Palace nach alten Zeichnungen und Schriften mit grosser Liebe zum Detail rekonstruiert.

Nach zwei Wochen der Seßhaftigkeit in Bangkok, in denen wir noch viele weitere Tempel, Parks, Märkte und anderes Sehenswertes besucht haben, könnten wir zwar weitere Wochen hier verbringen, aber so langsam treibt uns die Reiselust weiter Richtung Süden.

RICHTUNG SÜDEN - Palmenstrand und Dschungelpfade
Bangkok - Damnoen Saduak - Bang Saphan - Surat Thani - Ko Samui - Khao Sok N.P. - Takua Pa - Bangkok

Unser erster Radeltag in Thailand führt uns ins 100 km entfernte Damnoen Saduak. Die ersten zwei Stunden kämpfen wir uns durch Bangkoks Straßenschluchten. An einer schwierigen Abzweigung hat ein freundlicher Verkehrspolizist Mitleid mit uns und hält den eigentlich pausenlos fließenden, fünfspurigen Kreisverkehr für uns komplett auf, damit wir abbiegen können. Ohne seine Hilfe würden wir wohl heute noch dort stehen. Auch die vielen anderen freundlichen Thais, die uns ihre Anerkennung kundtun (Daumen nach oben, Applaus, Jubelrufe etc.) heißen uns auf Thailands Straßen willkommen. Diese Freundlichkeit läßt uns Bangkoks miese Luft besser ertragen und schon nach 30 km können wir den Atemschutz abnehmen. Nach 80 km dürfen wir die ersten guten Düfte genießen - Jasmin, der hier überall an der Straße wächst.
Schon an unserem ersten Tag unterwegs fällt uns auf, daß es abseits von Touri-Ecken gar nicht so einfach ist, vegetarisches Essen zu finden. Das haben wir uns in einem buddhistischen Land auch anders vorgestellt. Bevor wir das Zauberwort "gin djaeae" (= vegetarisch) gelernt haben, verstecken sich in jedem Gemüse Fleischklopse oder kleine Arme und Beine winken uns aus dem Essen zu. Je besser wir unsere Essenswünsche auf Thai kundtun können, desto weniger unerwünschte tote Tiere verirren sich in unser Essen, auch wenn bei mancher Wok-Pfanne der Fleischeinwurf offensichtlich nicht abzustellen ist. Manches kulinarische Rätsel wird wohl nie gelöst werden - "schmeckt gut, aber ist das jetzt Tofu oder Schlange?" - aber eines ist sicher: das thailändische Essen ist gut, aber höllenscharf.
In Damnoen Saduak, unserer ersten Station, wollen wir den berühmten Floating Market besichtigen. Gerade weil diese schwimmenden Märkte so berühmt sind, müssen wir schon um sieben Uhr morgens dort sein, um den Flair des traditionellen Marktes genießen zu können (ohne die ab acht Uhr in großen Horden einfallenden anderen Langnasen). Die beste Art, einen Floating Market zu besichtigen, ist logischerweise ein Boot und wir heuern eine nette einheimische Oma an, die uns durch den Markt paddelt und bei vielen Marktfrauen auf ein Schwätzle vorbeifährt. Das ruhige Dahingleiten zwischen den malerischen, mit Obst, Gemüse u.a. Lebensmitteln beladenen Booten läßt die besondere Atmosphäre der Ruhe dieses Marktes spüren, die mit dem Eintreffen der anderen Touristen in Motorbooten auch schnell dahin ist.
Wir radeln weiter an der Küste entlang Richtung Süden und am 24.12. treffen wir beim Frühstück vor einem Supermarkt in Prachuap Khiri Khan zum ersten Mal seit Griechenland Tourenradler und gesellen uns dazu. Esther und Jeroen, ein holländisches Paar aus der Schweiz, wollten ursprünglich über Tunesien und Nordafrika auf dem Landweg nach Thailand radeln, haben aber nach dem 11. September auch ihre Pläne geändert. Wir plaudern und radeln die nächsten 70 km gemeinsam und erfahren so, daß die beiden Thailand mehrmals von Norden nach Süden und umgekehrt durchqueren, da Jeroen "zur Entspannung" alle paar Wochen irgendwo an 'nem Marathonlauf teilnehmen muß. Wir verabreden uns für abends, aber mangels exakter Landkarten verfehlen wir uns leider. So feiern wir Weihnachten zu zweit am Strand von Bang Saphan bei einem wunderschönen Konzert mit dem Rauschen des Meeres, dem Zirpen der Grillen und dem Schnalzen der Geckos.
Unsere Fahrt führt uns weiter an der Küste entlang bis Surat Thani. Dort besteigen wir mit unseren vollbeladenen Rädern über einen schmalen, wackeligen Holzsteg die Nachtfähre nach Ko Samui. Als wir sehen, daß die Mannschaft im Laderaum unsere schweren Räder gegen den großen Stapel Eierpaletten lehnt, bangen wir um unser Frühstücksomelette auf der Insel. Der Vorteil der Nachtfähre ist, daß man hier schlafen kann, der Nachteil allerdings, daß einem dafür eine nur ca. 50 cm breite Matratze zur Verfügung steht, was den Vergleich mit Sardinen in der Büchse aufdrängt.
Auf Ko Samui finden wir in einer ruhigen Bucht eine traumhafte Holzhütte mit Palmen- und Meerblick direkt aus dem Bett. Hier am Strand von Mae Nam lernen wir auch ein paar interessante deutsche Traveller kennen, mit denen wir einige Zeit verbringen und mal wieder muttersprachlich plaudern können. An dieser Stelle ganz liebe Grüsse an Peter, Marion, Josef und Peter. In "unserer" Bucht feiern wir Silvester am Meer unter Palmen und bewundern - neben dem gewohnten Feuerwerk - die zahllosen Feuertüten (1,5 m hohe Heißluftballons mit petroleumgetränkter Fackel), die in den sternklaren Himmel steigen und in der lauen Nachtluft über den Palmen immer neue Muster ergeben. Auf einer Inselrundfahrt erklettern wir den Namuang-Wasserfall, geniessen den Palmenwald, der sich ueber die gesamte Insel erstreckt und bestaunen die Touri-Hochburgen Chaweng und Lamai. Nach zwei Wochen faulem Traumstrandleben zieht es uns dennoch weiter zu neuen Abenteuern und Josef macht an unserem letzten Abend ein traumhaftes Feuer am Strand zwischen den Felsen.
Wir setzen mit der Fähre (zur Abwechslung mal bei Tag) über nach Surat Thani und erreichen nach zweitägigem Radeln Richtung Westen den Khao Sok National Park. Hier geniessen wir Dschungel pur inklusive Affen, handtellergrossen Spinnen und armlangen Schlangen, vor denen wir in unserer Stelzen-Hütte zum Glück in Sicherheit sind. Wir wandern zwei Tage durch den Dschungel und bestaunen 15 Meter hohen Bambus, Riesenfarne, Lianen, exotische Blüten u.v.m. und bedauern mal wieder, unsere Schwerter nicht mitgenommen zu haben.
Da wir auch noch den Norden Thailands erkunden wollen, drängt die Zeit schon wieder etwas und wir radeln nach Takua Pa zur nächsten Bushaltestelle. Der Gepäckraum des aus Phuket kommenden Busses ist eigentlich schon voll und wir sehen unsere Busverbindung dahinschwinden, da lädt die freundliche Busbesatzung ihr Ersatzrad aus und rollt es in den Wartesaal von Takua Pa, damit unsere Räder im Bus Platz finden. Wir hoffen, sie holen es rechtzeitig wieder ab, bevor sie's brauchen. Unsere Radelei Richtung Süden hat uns gezeigt, dass wir nur unterwegs das unverfälschte Thailand erleben können - seien es die Menschen, die sich noch über einen Farang (Westler) freuen können, oder das Essen, das noch nicht an den Geschmackssinn der Langnasen angepasst ist. Die Thais, denen wir unterwegs begegneten, waren so freundlich und lustig, daß wir trotz unserer sehr eingeschränkten Thai-Kenntnisse überall nette Unterhaltungen hatten und v.a. zusammen herzlich lachen konnten. Zum ersten Mal auf dieser Reise hatten wir hier Schwierigkeiten, die richtige Tonhöhe zu treffen (das selbe Wort kann je nach Tonhöhe fünf verschiedene Bedeutungen haben) - doch auch hier versuchten wir, unsere Grenzen zu erweitern und doch noch eine paar Worte (zur allgemeinen Erheiterung) zu lernen.

RICHTUNG NORDOSTEN - Nudelsuppe und Jubelrufe
Nong Khai - Wat Phu Thok - Nakhon Phanom - Muk Dahan - Ubon Rachathani

Da wir als alte Donau-Radler schon seit Monaten unter Fluß-Entzug "leiden", zieht es uns jetzt mal wieder an einen großen Strom - was liegt da näher als der Mekhong. Um schnell dorthin zu gelangen, besteigen wir den Zug Richtung Norden nach Nong Khai. Während dieser 12-stündigen Bahnfahrt, in der wir die Landschaft an uns vorbeiziehen lassen, können wir noch das urpsrüngliche Zugfahren erleben: lautes melodisches Rattern und viel Luft durch die offenen Zugtüren und -fenster, durch die dann allerdings auch massenweise Staub und Asche nach innen fliegen. Staub wegen der extremen Trockenheit, die hier herrscht und Asche, da die Bauern die Reisfelder nach der Ernte abbrennen. Wenn man genug von den Landschaftsbildern draußen hat, kann man auf das kulinarische Programm im Zuginneren umschalten: fliegende Händler, die die unterschiedlichsten Speisen anbieten - Ratten, gebraten am Spieß, in Zuckerrohr gegarte Maden und diverse andere Köstlichkeiten. Wir wollten eh' mal wieder einen Fastentag einlegen.
In Nong Khai angekommen starten wir - froh, uns wieder aus eigener Kraft bewegen zu können - unsere Radeltour den Mekhong flußabwärts. Da der "Mekhong-Radweg" nicht ganz so gut ausgebaut ist wie der Donau-Radweg, führt uns die Straße leider öfter vom Fluß weg als direkt an ihm entlang. In den Ortschaften, die wir am Tagesende anfahren, haben wir jedoch meist das Glück, ihn wiederzusehen - unvergeßliche Ausblicke über den breiten Strom auf die Bergsilhouette von Laos am gegenüberliegenden Ufer. Wir beschließen Laos ein anderes Mal - und dann vielleicht auch lieber mit Öffis - zu erkunden. In den größeren Städtchen am Mekhong finden wir oft schöne Uferpromenaden, an denen wir das kunterbunte Treiben beobachten können - tagsüber interessante, farbenfrohe Indochina-Märkte mit Waren aus Thailand, Laos und Vietnam, zum Sonnenuntergang dann sportliche Aktivitäten jeglicher Art vom Joggen bis zum gemeinschaftlichen Aerobic mehrerer Generationen zu scheppernd lauter Musik.
Ein sehr nettes, zu unserem Glück Englisch sprechendes Paar in Pak Khad gibt uns den Tip, ab Bung Khan den Mekhong kurzfristig zu verlassen und ins Landesinnere zum Wat (= Tempel) Phu Thok zu radeln. Hierfür fertigen sie uns eine handskizzierte Karte an, die uns - zu unserem Erstaunen - tatsächlich ohne Umwege zum Ziel bringt. Schon von weitem sehen wir den beeindruckenden, ca. 200 m hohen Sandsteinfelsen von Phu Thok aus der flachen Landschaft emporragen. Wir stellen unsere vollbeladenen Räder so ab, daß der Buddha des nahegelegenen Felsenschreins ein Auge auf sie hat und machen uns an den Aufstieg. Die Mönche des Tempels bauten ringförmig um den Sandsteinfelsen einen Weg, der in sieben mit Treppenleitern untereinander verbundenen Stufen nach oben führt. Diese sieben Etagen symbolisieren die sieben Stufen der Erleuchtung im Buddhismus. Während auf den unteren fünf Etagen die Wege auch für Ungläubige noch gut passierbar sind, erfordern die letzten beiden Stufen tatsächlich Vertrauen in eine höhere Macht. Die Wege der 6. und 7. Stufe bestehen aus ächzenden Holzstegen, die an die Felswand gesetzt wurden und durch deren Spalten uns 100 m Abgrund entgegengähnen. Wir sind ständig bemüht, unser Gewicht auf jeweils zwei der wackeligen Planken zu verteilen, untereinander einen Sicherheitsabstand einzuhalten und dem morschen Geländer nicht zu nahe zu kommen. Der Ausblick von oben ist phänomenal, aber uns fällt auf, daß der Mekhong von hier nicht mehr zu sehen ist. Also machen wir uns schleunigst an den Abstieg, da wir zum Übernachten den Fluß noch erreichen sollten. Da uns ab hier unser gesamtes Kartenmaterial nicht weiterhelfen kann, fahren wir nach guter alter Globetrotter-Manier nach dem Stand der Gestirne - zuerst nach der Sonne und als diese uns verläßt nach dem Mond. Als die Straßen schon lange nur noch rote Staubpisten sind und wir uns seelisch auf eine Nacht zwischen den Schlangen vorbereiten, die sich in der Abenddämmerung nach uns recken, finden wir uns plötz auf der Landstraße entlang des Mekhong wieder. Die verbleibenden 25 km zur nächsten Ortschaft genießen wir den festen, schlangenlosen Straßenbelag und die eindeutige Richtung - immer flußabwärts.
Nachdem wir schon bei unserer Tour in den Süden Thailands den Eindruck hatten, uns abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen, erfuhren wir hier im Nordosten noch eine Steigerung. Zum Frühstück gab's ausschließlich Nudelsuppe, aber richtig gewürzt - mit Zucker, Essig und Chillisauce - stellt sie eine echte Alternative zum Farang-Frühstück dar. Die nicht an westlichen Standard angepaßten Unterkünfte waren teilweise abenteuerlich - ein fensterloses, nur über die Hotelgarage belüftetes Zimmer, eine seit Jahren nur noch von Federvieh bewohnte Hütte etc. Doch auch die Freundlichkeit der Thais konnte sich hier im Nordosten noch steigern: als wir auf den kleineren Straßen unterwegs waren, grölte uns vom Kleinkind bis zur Oma alles begeistert zu. Gerard meinte, er könne jetzt nachvollziehen, wie sich die Jungs von 'ner Boygroup fühlen - man hebt die Hand und die Menge schreit vor Begeisterung - hat was.

Jetzt waren wir zwei Monate in Thailand unterwegs und trotz längerer Aufenthalte in Bangkok und auf Ko Samui sind wir fast 2000 km geradelt und haben einiges vom Land gesehen. Wir sind so gut vorangekommen, da das Reisen in Thailand angenehm und unkompliziert ist: die Straßen sind beschildert (oft auch in lateinischer Schrift :-)), der öffentliche Transport ist sehr gut organisiert und die Menschen sind hilfsbereit. Schockiert waren wir anfangs über die Müllmengen, die hier "freigesetzt" werden, fasziniert allerdings von der organisierten Beseitigung, v.a. aber von der kreativen Müllverwertung - seien es Mülleimer oder ganze Sitzgarnituren aus alten Autoreifen, chinesische Lampions aus Getränkedosen oder Girlanden und Mobiles aus Deckeln und Plasikflaschen.
Manche Darstellung aus der Reiseliteratur haben wir anders erfahren - so konnten wir z.B. das "ewige Lächeln" nicht finden, dafür aber ein Volk, das gerne fröhlich ist und Spaß hat, v.a. auch bei der Arbeit. Auch die Behauptung, Thais benutzen zur Nahrungsaufnahme traditionsgemäß Eßstäbchen, können wir so nicht bestätigen. Thailändisches Essen wird - auch in Gebieten, in die sich seltenst eine Langnase verirrt - mit Löffel und Gabel gegessen. Chinesische Gerichte, die per Definition alle Nudelgerichte umfassen (praktischerweise auch Nudelsuppe), werden dagegen mit Stäbchen gegessen. Aber egal, mit welchen Werkzeugen, die Thais futtern gerne und häufig kleine Gerichte und Snacks, die an den unzähligen Straßenständen zu jeder Tages- und Nachtzeit angeboten werden.
Besonders beeindruckt hat uns in Thailand das harmonische Miteinander von alter Tradition und modernem westlichem Leben. Auch die junge Generation grüßt noch mit dem traditionellen Wai und vergißt trotz des ausgeprägten Geschäftssinns nicht die Geister.

Bis zum nächsten Mal, liebe Grüßlein und schreibt uns mal.

Gerard und Caroline