RAROTONGA - geschenkter Tag im Paradies


Diesmal fangen die Herausforderungen schon vor der Ankunft an: Um auf die Cook-Islands einreisen zu dürfen, brauchen wir 'ne Zimmerreservierung. Für uns zwar ungewohnt, aber an sich noch kein Problem. Allerdings sind wir nicht in der Lage, genau zu sagen, an welchem Tag wir ankommen werden - vor uns liegt die Datumsgrenze. Bei der telefonischen Zimmerreservierung halten wir offen, ob wir gestern, heute oder morgen ankommen. Doch Piri, unser Gastgeber, sieht das ganz locker - immer das Gleiche mit diesen Touris.
Schon bei unserer Ankunft mitten in der Nacht auf der Hauptinsel Rarotonga empfängt uns Südseeatmosphäre pur: in der Ankunftshalle hören wir die lieblichen Klänge von Cook-Live-Musik und die Damen von der Paßkontrolle tragen Blumenkränze im Haar. Obwohl Piri nicht weiß, an welchem Tag wir genau ankommen, holt er uns am Flughafen ab und bringt uns in unser neues Zuhause. Als wir hier am nächsten Morgen aufwachen, stellen wir fest, daß Montag ist - wie gestern auch schon. So funktioniert das also mit der Datumsgrenze.
Unser neues Zuhause in der Südsee gefällt uns sehr gut: eine Hütte direkt am Strand mit Blick auf die farbenprächtige Lagune und das schützende Riff. Wenn wir nach Avarua, dem Hauptstädtchen von Rarotonga zum Einkaufen radeln, dürfen wir jedes Mal entscheiden, ob wir im Uhrzeigersinn oder dagegen fahren wollen. In beiden Richtungen ist es eine wunderschöne Fahrt auf der Ara Tapu, der neuen, äußeren Ringstraße durch kleine Dörfchen, Bananen- und Kokosplantagen mit herrlichen Ausblicken auf das kristallklare leuchtend türkisblaue Wasser der Lagune.
Auf unseren Inselrundfahrten entdecken wir Avana Harbour, den Hafen, von dem aus vor ca. 700 Jahren. die Kanus der Cook-Maori zur großen Reise und Entdeckung neuer Welten starteten. Die Maori-Flotte fand ein neues, unbewohnte Land - Neuseeland - und die Maoris von den Cook-Islands ließen sich dort nieder. Deshalb kommt uns die Kultur der Cook-Insulaner bekannt vor - wir finden hier einiges, das wir aus Neuseeland schon kennen. So gibt es auch auf Rarotonga Maraes (Kult- und Versammlungsstätten), wie das Ara-Te-Tonga, das wir bei einer Inselrundfahrt entlang der Ara Metua, der inneren, ca. 1000 Jahre alten Ringstraße finden.
Um noch mehr über die Geschichte und Kultur der Cook-Island-Maori zu lernen, besuchen wir das Cultural Village an der Ara Metua. Obwohl die Neuseeland-Maori direkt von den hiesigen Maori abstammen, gestaltet sich die Begrüßung hier etwas informeller: ein Krieger, bekleidet mit Lendenschurz und Wadenschmuck, stürmt auf die Besuchergruppe zu, brüllt eine Begrüßungsformel und entschwindet wieder. Sein Anliegen wird uns übersetzt mit "what he basically means is 'welcome'" - so einfach ist das hier. In traditionell gebauten Hütten zeigt man uns die Fischfangmethoden der Maori mit Netzen aus Kokosfasern und Speeren, stellt uns traditionelle Medizin aus Kräutern und Kerzen aus Candle-Nut, einer öligen Frucht mit steinharter Schale, vor. Wir lernen, wie man Baströcke aus wildem Hibiskus fertigt und daß der unbequeme Kokosnuß-BH erst vor Kuzem den Touristen zuliebe eingeführt wurde. Die prachtvollen Rito-Hüte aus feinen, gebleichten Pandanuß-Blättern werden auf den nördlichen Cook-Inseln hergestellt und heute noch gerne von Frauen für den sonntäglichen Kirchgang getragen. In einer weiteren Hütte wird uns die Holzschnitzkunst mit den für die Cook-Island-Musik wichtigen Schlitztrommeln und den Tangaroa-Figuren vorgestellt. Tangaroa ist der Gott des Meeres und der Fruchtbarkeit und ein Symbol für die gesamten Cook-Inseln. Zum Abschluß der Kul-Tour wird uns die traditionelle Zubereitung eines Festmahles (Kai) im Erdofen (Umu) gezeigt und wir dürfen ein Umukai genießen. An wunderschön mit Kokos-Blumengestecken geschmückte Tische wird auf aus Palmblättern geflochtenen Tellern köstliches Essen serviert: Spinat aus Taro-Blättern, Brotfruchtscheiben, Maniok, Süßkartoffeln, Kokosbällchen und Huhn, alles über viele Stunden im Erdofen gegart und mit frischer Mango, Bananen und Kokosraspeln serviert. Dieses leckere Umukai wird auf der Bühne begleitet von Südsee-Musik und -Tanz, mal lieblich und anmutig, mal kraftvoll und energiegeladen.
Ein weiterer noch lebendiger Brauch, von dessen Bedeutung wir im Cultural Village erfahren, ist die Blume hinter'm Ohr der Damen. Ist die Blüte (meist Hibiskus) hinter'm rechten Ohr so bedeutet dies "versprochen, vergeben, verheiratet"; ist sie hinter'm linken Ohr, so heißt dies "frei, zu haben, auf der Jagd". Als wir Freitag Nacht - der Ausgeh-Nacht auf den Cooks - in der Coco-Bar nach den Blumen hinter'm Ohr Ausschau halten, sind wir erstaunt, wie schnell diese Blüten - bei Bedarf - das Ohr wechseln können.
Da unser Gastgeber der berühmte Piri Porutu III ist, dürfen wir seine Show auf keinen Fall versäumen. Nach einer kleinen Stärkung vom Grill schwärmen die Papa'as (= Weiße, wörtlich: 'Schichten', weil die ersten Weißen, die Missionare, so unnötig viele Schichten von Kleidern trugen) aus und rupfen unter fachkundiger Anleitung Blätter von Bäumen und Büschen. Ein Teil der Blätter dient zum Würzen und Einwickeln toter Hühner, Fische und Tintenfische für den Erdofen, der andere Teil als Eßgeschirr für später. Piri hat das Feuer in einer großen Grube schon am Morgen angefacht und nachdem wir die eingewickelten Tiere, Maniok, Brotfrucht und Taroblätter in den Erdofen geschichtet haben, wird dieser mit Bananenblättern abgedeckt und mit Erde zugeschaufelt. Das Ganze muß jetzt ca. 4 Stunden in der Erde schmoren - so lange ist Show-Time. Zuerst klettert Piri mit einem aus Baumrinde selbstgeflochtenen Seil um die Füße gewickelt in einer affenartigen Geschwindigkeit eine ca. 15 m hohe Palme hinauf - hier sollte noch angemerkt werden, daß Piri inzwischen über 60 Jahre alt ist. In schwindelerregender Höhe klettert er um die Palmenkrone rum, macht noch ein paar Faxen und Kunststücke, bis er mit etwas Kokosfaser und -bast sicher zur Erde zurückkehrt. Die Kokosfasern, die er da oben geerntet hat sind wichtig für seinen nächsten Programmpunkt: Feuermachen à la Maori. Und es gelingt ihm tatsächlich, mit zwei Holzstücken, etwas Kokosfaser und -bast und vielen Gesängen, Feuer zu machen. Sehr praktisch für unterwegs, wenn mal keine Papa'a-Hilfsmittel zur Hand sind. Nach einer kleinen Ruhepause für alle wird der Erdofen geöffnet und das Festmahl kann beginnen.
Ein weiterer erstaunlich fitter Herr um die 60, der Interessantes vermitteln kann, ist Pa. Fast jeden Tag wandert er viele Kilometer durch die Berge und zeigt den hinter ihm herhechelnden Touris Heil-, Nahrungs- und andere Nutzpflanzen der Insel. Pa führt uns durch seine Noni-Plantage und erklärt uns, wie man aus den kartoffelgroßen, grünen Früchten den eklig schmeckenden, doch sehr gesunden Noni-Saft braut. Mit dem nach mehrmonatiger Gärdauer schwarzen, sehr bitteren Noni-Saft lassen sich unglaublich viele Krankheiten heilen und auf der ganzen Welt wird das Gebräu zu exorbitanten Preisen gehandelt. Pa zeigt uns weitere Heilpflanzen, darunter auch eine, mit der er Dengue-Fieber heilen kann. Das ist sehr beruhigend, denn dies ist eine der wenigen Gefahren auf den Cooks (außer der, von einer Kokosnuß erschlagen zu werden).
Nachdem Rarotonga durch sein vielseitiges Kulturangebot fast ein bißl stressig ist, beschließen wir, uns für ein Wöchlein auf die kleinere und ruhigere Insel Aitutaki zurückzuziehen.


AITUTAKI - verträumte Trauminsel


Schon am Flughafen sieht man: hier isses noch'n bißl ruhiger. Als die kleine Turboprop auf der Lehmpiste zum Stehen kommt und der Lärm der Propeller verstummt, hört man von der palmblattgedeckten, offenen Hütte (= das Flughafengebäude) die sanften Klänge von Südseemusik. Die ankommenden Aitutakianer werden von ihren Angehörigen mit Blütenketten willkommen geheißen und das ganze Gebäude ist erfüllt vom süßen Blumenduft. Walter, ein stämmiger Maori, lädt uns in seinen Bus ein und holpert uns die Piste lang, bis "Mama" am Straßenrand auf uns wartet. "Mama" zeigt uns unser Hüttchen mit eigener Küche - und dieser Herd ist, wie sich bald herausstellen wird, Goldes wert. Außerdem werden wir von unserer Gastgeberin mit frischem Obst versorgt und dürfen uns im Garten jederzeit von dem Riesenhaufen Kokosnüssen und den Papayas bedienen. Diese Nahrungsquelle erweist sich bald als sehr wichtig, da sich das Einkaufen auf Aitutaki als äußerst schwierig erweist. Die Aitutakianer haben kein Verständnis dafür, daß die Touristen Obst im Laden kaufen wollen, wo dieses doch überall auf der Insel wächst: "Ihr wollt Obst? Dann holt's euch doch im Busch!" Also gehen wir auf die Jagd, bewaffnet mit einem selbstgebastelten Speer aus Brotmesser und Bambusstange, und erlegen Brotfrucht, Bananen, Steinfrucht u.a. Zusammen mit dem Mehl und den Eiern, die wir im Laden ergattern konnten und der Ernte aus dem "eigenen" Garten, ergeben sich so interessante Rezepte wie selbstgebackenes Brot mit Créme aus Banane und Papaya, handgeschabte Spätzle an Bananen-Kokos-Sauce, Kokoskekse auf Steinfruchtnest u.v.m. Um keine Ringchen anzusetzen, spazieren wir ab und zu über die Insel und nach Arutanga, dem Hauptdorf von Aitutaki. Hier können wir von einem schattigen Plätzchen aus das geschäftige Treiben am Hafen beobachten, wenn draußen vor dem Riff ein großes Containerschiff liegt. Auf kleinen Booten werden die Container einzeln durch die Lagune zum Hafen gefahren und dort die Schätze gleich an die wartenden Insulaner verteilt. Wie alle anderen scheinen auch wir hier auf etwas zu warten - ob wohl Nahrung in den Containern ist?
Auf Aitutaki gibt es aber noch weitere spannende Aktivitäten: Das eine ist die Insel-Nacht am Freitag, die angeblich nur durch den sonntäglichen Kirchgang getoppt werden soll. Also machen wir uns auf zur Freitag-Nacht-Show am nordöstlichen Zipfel der Insel. Uns erwarten ein köstliches Umukai-Buffet und eine sensationelle Musik- und Tanzdarbietung. Die heißen Rhythmen und die mitreißende Begeisterung der Band und der Tänzer auf der Open-Air-Bühne direkt am Strand lassen sich nicht einmal durch den tropischen Regenschauer abkühlen. Ein tolles Erlebnis und echtes Aitutaki-Muß - wie eben auch der sonntägliche Kirchenbesuch in der CICC (Cook Island Christian Church). Erwartungsvoll machen wir uns am Sonntag Morgen auf zur Kirche in Arutanga. Die Kirche ist der einzige Ort, an dem sich die Cook-Damen nicht mit Blumen schmücken, sondern ihre prächtigen Rito-Hüte tragen. Am eindrucksvollsten aber ist der gigantische Kirchengesang. Wir sind fasziniert, wie dieser Gesang, obwohl die Kirche eher locker besetzt ist, den gesamten Raum so erfüllen kann.
Highlights, die wir jeden Tag genießen können, sind das Baden im kristallklaren Wasser der türkisblauen Lagune und das Schnorcheln am farbenfrohen Riff -leuchtend blaue Seesterne, schwarze Seegurken und unzählige knallbunte Fische, die uns genauso interessiert anschauen, wie wir sie. Auch die immer fröhlichen Aitutakianer, die scheinbar nichts anderes zu tun haben, als den Touristen freundlich zuzuwinken, unterstützen das Bild: Aitutaki ist eine Trauminsel wie aus dem Bilderbuch.

Doch wie alle schönen Träume währt auch dieser von den Cook-Islands nicht ewig. Und obwohl wir die entspannte und freundliche Atmosphäre der Cooks noch lange genießen könnten, zieht's uns weiter, mehr von der Welt zu erfahren.


Bis zum nächsten Mal, liebe Grüßlein und schreibt uns mal.

Gerard und Caroline